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Cannabis: Jusos stoßen wichtige Diskussion an

“Ich habe vor allem kapiert, dass es keine schnellen Antworten gibt. Aber diesen Stillstand in der Diskussion empfinde ich als unerträglich. Ich unterstütze daher den Gedanken, dass der Bundestag zur Frage der Legalisierung von Cannabis eine Enquete-Kommission installiert.” Das Eingangsstatement von Maria Surges-Brilon, Leiterin der Caritas-Suchtberatungsstelle, kann auch als Quintessenz einer mehr als gelungenen Veranstaltung gelten. Mit ihrer Podiumsdiskussion “Cannabis – Fluch oder Segen?” gelang es den Jusos im Kreis Euskirchen, eine überfällige Diskussion anzustoßen.

Maria Surges-Brilon, Fabian Nowold, Helga Kühn-Mengel und Jan Ingensiep (v.l.n.r.) diskutierten über die Legalisierung von Cannabis

Maria Surges-Brilon, Fabian Nowald, Helga Kühn-Mengel und Jan Ingensiep (v.l.n.r.) diskutierten über die Legalisierung von Cannabis

Neben Maria Surges-Brilon konnte Fabian Nowald, Kreis-Juso-Vorsitzender, Helga Kühn-Mengel MdB und Jan Ingensiep als Diskutanten begrüßen. Helga Kühn-Mengel vorzustellen hieße Eulen nach Athen tragen, gehört unsere Abgeordnete doch zu den profiliertesten Gesundheitspolitikerinnen der Bundestagsfraktion. Der 33-jährige Duisburger Ingensiep ist nach eigener Aussage “kein großes Tier in der SPD”. Vor gut einem Jahr gründete er aber eine Arbeitsgruppe in der SPD, die sich die Legalisierung des Cannabis-Konsums auf die Fahne geschrieben hat. Wer jetzt aber einen dogmatischen Kämpfer für das Recht auf Rausch erwartet hatte, sah sich aufs Angenehmste enttäuscht: Ingensiep schwang nicht die Keule sondern führte das Florett der feinen Argumentation. Und so entspann sich eine sehr differenzierte, vielschichtige Diskussion. Fabian Nowald tat gut daran, die Debatte nicht auf das eigentliche Thema einzuengen, und so wurde auch über Sucht allgemein, vor allem auch die “legalen” Abhängigkeiten von Alkohol, Nikotin und Glücksspiel, gesprochen.

Alle Beteiligte waren sich in wichtigen Punkten einig: das Thema Sucht und Drogenkonsum muss enttabuisiert  und die Prävention gestärkt werden. Auch die Forderung Surges-Brilons nach einer Enquete-Diskussion fand die Unterstützung ihrer Mitdiskutanten. Jan Ingensiefs Argument, dass eine wie auch immer organisierte legale Abgabe von Cannabis auch dem Schutz der Konsumenten vor verunreinigtem “Stoff” diene, wurde nicht widersprochen; Surges-Brilon warnte aber davor, Verbraucher- und Jugendschutz zu verwechseln. Was wiederum einen Zuhörer auf den Plan rief: er war der Ansicht, dass Jugendliche beim illegalen Straßenverkauf von gewissenlosen Dealer viel schneller zu harten Drogen verführt werden können. “Dadurch wird Cannabis erst zur Einstiegsdroge.” Auch Jan Ingensief war der Ansicht, dass man die Konsumenten bei einer legalen Abgabe viel besser für Präventionsmaßnahmen erreichen könne.

Auch Helga Kühn-Mengel war der Meinung, dass “die Prävention gestärkt und die Repression aufhören muss.” Sie sähe aber zum derzeitigen Zeitpunkt keine Mehrheit im Bundestag für eine Legalisierung von Cannabis. Immerhin sei in sofern Bewegung in die gesundheitspolitische Diskussion gekommen, dass überlegt werde, die Restriktionen im Betäubungsmittelgesetz für die Anwendung von Cannabis in der Schmerztherapie zu lockern. Neben dieser Einengung, die Cannabis erst dann zulässt, wenn alle anderen Mittel versagt haben, kamen auch andere Ungereimtheiten im Umgang mit Cannabis-Konsumenten zur Sprache. Maria Surges-Brilon etwa kritisierte, dass die Krankenkassen Cannabis-Abhängigen (deren Zahl nach Surges-Brilons Beobachtung ansteigt) keine Entgiftungen in Kliniken bezahle und Jan Ingensief verwies darauf, dass der Kiffer schon seinen Führerschein riskiere, wenn er nur mit Stoff im Auto erwischt werde, ohne das Konsum nachzuweisen ist. “Wenn ich den Kofferraum voll Schnaps habe wünscht mir der Beamte allenfalls viel Spaß.”

Bleibt unter dem Strich: der Abend lieferte keine einfachen Antworten, weil es diese, wie die Diskussion zeigte, nicht gibt. Es wurde aber eine überfällige Diskussion angestoßen, die es am Leben zu erhalten gilt.

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